Kapitel 6: Wartesaal der Träume
Wir redeten über die Erde – über das Gefühl, in einer Welt zu leben, die stillsteht, während alles andere rast.
„Hast du jemals das Gefühl, dass wir eigentlich zu spät geboren wurden?“, fragte sie mich an einem Abend, als die Sonne hinter den Türmen von Neu-Shenzhen versank und die Stadt in ein violettes Licht tauchte. „Als ob wir die Generation sind, die nur noch die Reste der großen Entdeckerzeit einsammeln darf?“
„Ich glaube nicht“, sagte ich und sah sie an. „Ich glaube, dass wir die erste Generation sind, die wirklich weiß, wie man die Maschinen bändigt. Die Pioniere waren Glückspilze. Wir sind die Techniker. Wir machen es nicht nur, wir machen es besser.“
Fine lächelte, und in diesem Moment verschwand die Sterilität der Lounge. Die weißen Wände und die gläsernen Tische waren nicht mehr wichtig. Es gab nur noch uns zwei und die gemeinsame Vorstellung von der Freiheit, die hinter den Hangartoren wartete.
Unsere Annäherung war langsam, fast vorsichtig. Es war eine Verbindung, die auf der gemeinsamen Leidenschaft für das Fliegen basahter war als auf herkömmlichen Flirts. Wir teilten technische Zeichnungen, diskutierten über die Aerodynamik von Interceptoren und lachten über die absurden Sicherheitsvorschriften des Weltramministeriums.