Kapitel 9: Das Erwachen aus der Zeitfalle
Die Zeitdilatation hatte eine tiefe Spur in ihrem Geist hinterlassen. Sie fühlten sich alt, als hätten sie in diesen wenigen Stunden im Loop Jahrzehnte an emotionalem Stress erlebt. Die Grenze zwischen dem „Ich von vor einem Monat“ und dem „Ich von jetzt“ war verschwommen.
Als sie schließlich nach Tagen des mühsamen Marsches den Waldrand erreichten, sahen sie das erste Anzeichen von Zivilisation. Es war kein friedliches Bild. Am Wegrand standen Polizeiwagen, Rettungshunde liefen im Unterholz und ein großes Camp von Suchtrupps hatte sich aufgeschlagen.
Sie sahen ihre Eltern. Ihr Vater sah zehn Jahre älter aus, seine Augen waren tief eingesunken, sein Gesicht gezeichnet von einer Hoffnungslosigkeit, die fast greifbar war. Ihre Mutter saß auf einer Klappbank und starrte mit leeren Augen in den Wald.
„Papa!“, schrie Gretel, doch ihre Stimme war nur ein krächzendes Flüstern.
Als die Suchtrupps sie entdeckten, gab es keine jubelnden Rufe. Es war ein Moment der absoluten Fassungslosigkeit. Die Polizisten starrten sie an, als wären sie Geister, die aus dem Grab aufgestanden waren. Sie sahen aus wie Überlebende eines Flugzeugabsturzes in der Wildnis – zerlumpte Kleidung, hohlwangige Gesichter, ein Blick in den Augen, der nicht mehr in diesen Körper passte.