Kapitel 8: Der Preis der Wahrheit
Hänsel starrte auf sein Tablet, das nun ein Bild von ihm selbst zeigte, doch sein Gesicht auf dem Bildschirm weinte bittere Tränen, obwohl er selbst keine Tränen vergoss. Er sah die digitale Version seines eigenen Schmerzes und etwas in ihm brach. Aber dieser Bruch war nicht zerstörerisch, sondern befreiend.
Er begriff, dass er nicht gewinnen konnte, wenn er die Regeln der Hexe spielte. Er versuchte, ein System zu hacken, das nicht aus Code, sondern aus Alpträumen bestand.
„Gretel“, sagte er leise, und seine Stimme war plötzlich fest. „Ich kann die Drohne nicht zurückgewinnen. Aber ich kann sie überlasten.“
„Was meinst du?“, fragte sie.
„Das Gerät hat eine Lithium-Polymer-Batterie mit einer enormen Energiedichte. Wenn ich einen Kurzschluss im Stromkreis provoziere und gleichzeitig das Signal mit maximaler Leistung in eine Feedback-Schleife zwinge... wird es keinen digitalen Absturz geben. Es wird eine physische Entladung geben.“
Gretel verstand sofort. Er wollte keine Daten mehr sichern. Er wollte die Hardware opfern, um einen Moment der absoluten, physischen Realität zu erschaffen. Ein Blendeffekt, ein energetischer Schock, der die Illusionen der Hexe für einen Moment zerreißen würde.
„Aber du verlierst alles“, sagte Gretel. „Alle Beweise. Die Aufnahmen. Die Daten.“