Kapitel 6: Das Echo des Lebkuchenhauses
Ein Flüstern erfüllte die Luft. Es kam nicht von außen, sondern direkt aus ihrem Kopf.
„Ihr seid zurückgekommen... so hungrig nach der Wahrheit...“
Gretel wich erschrocken zurück und stürzte gegen Hänsel. Beide fielen in den weißen Staub.
Plötzlich bemerkten sie, dass sich die Umgebung veränderte. Die kristallinen Ruinen begannen zu vibrieren. Die Luft flimmerte, und für einen kurzen Moment sah sie nicht mehr die Ruinen, sondern eine Überlagerung: Sie sahen das Haus, wie es einmal gewesen war. Die bunten Farben, der süße Duft, die einladende Tür. Es war eine optische Täuschung, ein Hologramm aus Erinnerungen, das über die Realität gelegt wurde.
Und in der Tür des Geisterhauses stand eine Gestalt.
Sie war nicht mehr die bucklige Alte aus ihren Kindheitserinnerungen. Sie war groß, hager, ihre Haut glich rissigem Pergament und ihre Augen waren zwei leuchtende, weiße Punkte in einem Gesicht ohne Mund. Sie trug kein Kleid, sondern schien aus den Schatten des Waldes selbst gewebt zu sein.
Sie sprach nicht mit Worten, sondern mit einem Gedanken, der wie ein Hammer in ihren Köpfen einschlug:
„Technologie ist ein schönes Spielzeug, Kinder. Aber hier im Wald ist der einzige Code, der zählt, der Code des Blutes und des Hungers.“