Kapitel 6: Das Echo des Lebkuchenhauses
Ein kleiner, filigraner Käfig aus Golddrähten, kaum größer als ein Hundekörbchen. Er war halb in den Kristallboden eingegraben. Gretel spürte eine plötzliche Welle von Panik, als sie die Gitterstäbe sah. Sie erinnerte sich an die Enge, an den Geruch von alter Haut und die Stimme, die sie befohlen hatte, ihren Finger in das Loch zu stecken.
„Hänsel, schau dir das an!“, rief sie.
Hänsel kam herbeigeeilt. Er sah den Käfig an und seine Augen weiteten sich. „Das ist unmöglich. Gold schmilzt bei 1064 Grad. Wenn das Haus hier geschmolzen ist, hätte auch der Käfig schmelzen müssen. Warum ist er noch intakt?“
In diesem Moment bemerkte Gretel, dass im Inneren des Käfigs etwas lag. Es war kein Vogel und kein Tier. Es war ein kleiner, schwarzer Kristall, der langsam pulsierte. Ein rhythmisches Leuchten, wie ein Herzschlag aus Dunkelheit.
„Fass es nicht an!“, warnte Hänsel, doch es war zu spät.
Gretel hatte bereits die Hand ausgestreckt, nicht um den Kristall zu berühren, sondern um den Käfig zu untersuchen. In dem Moment, als ihre Finger das Metall berührten, geschah etwas. Ein elektrischer Schlag durchfuhr ihren Körper, und plötzlich war die Stille der Lichtung verschwunden.