Kapitel 11: Millisekunden - 57 / 72 Seiten

Kapitel 11: Millisekunden

Ich schloss die Augen für einen winzigen Moment. Ich hörte auf, gegen die Vibrationen anzukämpfen. Ich hörte auf, die Maschine zu befehlen, und begann, ihr zuzuhören. Ich spürte den Rhythmus des alten Injektors, das unregelmäßige Pochen des Metalls. Ich passte mein Timing an dieses Pochen an.

Ich wurde eins mit dem Monster.

Der letzte Abschnitt des Rings war eine einzige, lange Gerade, die direkt auf die Ziellinie führte. Es war ein Sprint bis zum Ende. Ich drückte die Drossel bis zum Anschlag. Die RT300 brüllte, die Metallplatten des Rumpfes begannen zu glühen, und das Cockpit füllte sich mit dem Geruch von verbranntem Ozon.

Neben mir die RM3500. Sie war ein massiver Fels, der sich mit einer unaufhaltsamen Kraft vorwärts bewegte. Wir waren gleichauf. Ich konnte den anderen Piloten fast spüren, die uns beobachteten, die Welt hielt den Atem an.

Die Ziellinie war ein dünner Lichtstreifen im Schwarz des Alls.

Ich gab alles. Ich schrie in meine Lunge, ich presste meine Hände gegen die Steuerung, und in der letzten Millisekunde gab die RT300 einen letzten, finalen Schub ab, der mich fast aus dem Sitz riss.

Ich passierte die Linie. Und gleichzeitig mit mir.