Kapitel 3: Der Abschied am Mond-Hafen - 11 / 72 Seiten

Kapitel 3: Der Abschied am Mond-Hafen

Sechs Jahre sind in der Logik eines Teenagers eine Ewigkeit. Mit sechzehn war ich nicht mehr der kleine Junge, der mit Konservendosen spielte. Ich war gewachsen, meine Stimme war tiefer geworden, und meine Obsession für die RT300 war von einem naiven Traum in einen präzisen Plan übergegangen. Ich hatte jedes technische Handbuch studiert, das ich in den digitalen Archiven finden konnte. Ich wusste, wie man die Triebwerke kalibriert, wie man die Stabilitätssensoren manipuliert und warum die RT300 ohne ein perfektes Tuning eine Todesfalle war.

Doch während mein Wissen wuchs, schrumpfte die Welt um mich herum.

Die finanzielle Lage zu Hause war prekär geworden. Mein Vater arbeitete immer noch in der Werkstatt, aber die Aufträge wurden seltener. Die Welt war digitaler, automatisierter und schneller geworden, und ein traditioneller Handwerker passte nicht mehr in das Raster einer Gesellschaft, die ihre Teile in KI-Fabriken presste. Die Sorgen meiner Eltern lagen wie ein unsichtbarer Nebel über dem Abendessen. Sie sprachen selten darüber, aber ich sah es an den zitternden Händen meiner Mutter und dem tieferen Griff meines Vaters in seinem Sessel.