Kapitel 2: Der Versprechen-Moment
Ein Jahr später, als ich elf wurde, geschah etwas, das meine Welt nicht nur vergrößerte, sondern sie endgültig in zwei Hälften teilte: in die Zeit davor und die Zeit danach.
Es war der „Tag der offenen Tore“ an der regionalen Transportstation. In unserer Gegend gab es nur eine einzige Basis, die noch aktiv war – ein Relikt aus einer Zeit, als Deutschland versucht hatte, mit den anderen Mächten mitzuhalten. Es war keine glitzernde Metropole wie die chinesischen Hub-Zentren, sondern ein funktionaler, grauer Betonkomplex, der in die Landschaft gepflanzt worden war wie ein Fremdkörper. Hier starteten die schweren Lastenschiffe, die den Mond-Hub versorgten, und hier landeten die wenigen Puddle-Jumper, die wichtig genug waren, um die lange Reise zurück zur Oberfläche zu machen.
Felix und ich hatten uns Wochen vorher darauf vorbereitet. Wir hatten unsere besten „Ingenieurs-Kleider“ an – alte Hemden meines Vaters, die uns viel zu groß waren und uns wie kleine Professoren aussehen ließen. Wir wollten nicht wie Kinder wirken; wir wollten wie Kollegen wirken.