Kapitel 3: Die Schwelle zum Vergessen - 9 / 37 Seiten

Kapitel 3: Die Schwelle zum Vergessen

Die Fahrt zum Waldrand dauerte zwei Stunden. Je weiter sie sich von der Stadt entfernten, desto mehr schien sich das Licht zu verändern. Der Himmel wurde von einem hellen Orange in ein tiefes, fast violettes Indigo gefärbt. Die Straßen wurden schmaler, die Häuser seltener, bis sie schließlich an einer Stelle hielten, an der der asphaltierte Weg abrupt endete und in einen matschigen Forstweg überging.

Vor ihnen ragte die Mauer aus Tannen und Buchen auf. Der Wald sah aus wie ein riesiger, schlafender Organismus, dessen Atem aus dichtem, grauem Nebel bestand.

„Hier beginnt die Zone“, flüsterte Hänsel. Er stieg aus dem Wagen und schlug den Kofferraum auf. Das metallische Klicken der Ausrüstung klang in der plötzlichen Stille des Waldes wie ein Peitschenknall.

Als sie den ersten Schritt über die unsichtbare Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis machten, spürte Gretel einen sofortigen Druck auf ihren Schläfen. Es war, als würde der Wald sie registrieren. Ein tiefes, instinktives Gefühl von „Willkommen zurück“ mischte sich mit einer warnenden Kälte.

„Hast du das auch gespürt?“, fragte sie.